Artwork des Albums 35 Years Of Evil Existence Live in Lycabettus der Band Rotting Christ

Review Rotting Christ – 35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus

Seit 35 Jahren sind ROTTING CHRIST fester Bestandteil der Extreme-Metal-Szene – und das nicht nur in ihrer Heimat Griechenland. Doch während viele Bands nach so langer Zeit irgendwann feststecken, sei es nun stilistisch oder hinsichtlich der Bandgröße, haben sich ROTTING CHRIST nach rund 20 Jahren nochmal neu erfunden. Seit ihrem Meisterwerk „Kata Ton Daimona Eautou“ (2013) spielen ROTTING CHRIST nochmal auf einem anderen Level – musikalisch, aber auch, was die Reichweite und Größe ihrer Shows angeht.

Ein zentraler Baustein dieses Erfolgs sind ebenjene Shows: In den letzten zehn Jahren haben sich die Gebrüder Tolis und Konsorten buchstäblich den Arsch abgespielt. Seit 2013 ist – die Pandemiejahre 2020/2021 mal ausgenommen, kein Jahr vergangen, in dem ROTTING CHRIST nicht mindestens 45 Shows gespielt haben – oft waren es aber auch bis zu 100. Vor allem aber liefern ROTTING CHRIST live ab wie kaum eine andere Band im extremen Metal.

Es war also höchste Zeit, diese Energie mit einer Live-Aufnahme festzuhalten. Das letzte Live-Dokument, „Lucifer Over Athens“, hat schließlich schon zehn Jahre auf dem Buckel und ist in Sachen Sound auch nicht sonderlich gut gealtert. Zumindest im direkten Vergleich zu „35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus“, das dahingehend wirklich keinen Raum für Kritik bietet: Die Songs klingen fast, aber eben nicht ganz wie Studioproduktionen, dazwischen ist das Publikum deutlich, aber nicht störend „überpräsent“ zu hören. In der Summe transportiert der Klang also genau jenen Druck, jene Energie, die ROTTING CHRIST live ausmacht.

Das gilt auch für die Setlist, die die Griechen für die hier festgehaltene Geburtstagsshow im Lycabettus Theater in Athen am 29. Juni 2024 zusammengestellt haben. Mit fünf Songs ist „Kata Ton Daimona Eautou“ am stärksten vertreten – interessanterweise gefolgt von „The Heretics“ (2019) und „Triarchy Of The Lost Lovers“ (1996) mit je drei Stücken. Bei insgesamt 25 Songs ist aber noch hinreichend Vielfalt geboten: Insgesamt 13 der 14 Studioalben von ROTTING CHRIST finden mit zumindest einem, oft auch zwei Songs Erwähnung im Set, dazu kommt mit „Societas Satanas“ noch ein Thou-Art-Lord-Cover. Dass nicht alle Alben auch auf „35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus“ repräsentiert sind, dürfte schlichtweg Platzgründen (bei der Vinyl-Version) geschuldet sein: Die bei der Show gespielte Zugabe aus „The Sign Of Evil Existence“ und dem Titeltrack des nun eben nicht auf dem Tonträger vertretenenen „Non Serviam“ (1994) wurde nicht mit veröffentlicht.

Das ist natürlich insofern schade, als es sich gerade bei letzterem um einen der größten Hits der Band und ihren meistgespielten Song überhaupt handelt – allerdings dürfte es sich bei der konkreten Performance dieses Stücks vielleicht auch nicht um die bestmögliche gehandelt haben: Während dieses letzten Songs des besagten Abends wurde die Bühne von feiernden Fans gestürmt. So oder so, das Manko ist verkraftbar – wissen die 25 auf „35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus“ enthaltenen Stücke doch umso mehr zu begeistern.

Sieht man mal davon ab, dass ein Videomitschnitt natürlich eine schöne Ergänzung gewesen wäre und es natürlich ein wenig unglücklich ist, dass das Set gekürzt wurde, ist „35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus“ ein rundum perfektes Live-Album: Wer nicht genug von der Energie bekommen kann, die Sakis Tolis und seine Mannen auf der Bühne entfesseln, bekommt hier die perfekte Ersatzdroge, um die Zeit bis zum nächsten ROTTING-CHRIST-Konzert zu überbrücken.

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Wertung: 9.5 / 10

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2 Kommentare zu “Rotting Christ – 35 Years Of Evil Existence – Live In Lycabettus

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