Die Franzosen FANGE sind recht umtriebig: Nach dem großartigen 2023er Longplayer „Privation“ folgte rund ein Jahr später der neueste Streich „Perdition“. Und der macht einiges anders als der Vorgänger, was für alteingesessene Fans allerdings kein Problem darstellen dürfte – aber die Zielgruppe potentiell erweitern könnte.
Während „Privation“ eine durchaus eigene und ausgewogene Mischung aus Death-, Sludge- und Industrial-Metal bietet, kommt „Perdition“ merklich elektronischer, wenn auch vergleichbar heavy, daher: Die Industrialelemente, vor allem Beat und synthetisches Beiwerk, stehen deutlich mehr im Fokus. Die Grundzutaten sind dabei allerdings gleich geblieben: Offensiv künstlich klingendes und wuchtiges Schlagwerk (live mit einem echten Drummer dargeboten), fette und ziemlich tief gestimmte Gitarren, hasserfüllte Vocals in französischer Sprache sowie noisige Elektronik sorgen für ein kurzweiliges und atmosphärisch intensives Musikerlebnis, welches durch die Bank Spaß macht.
Die Industrial-Elemente sollten für etwaige Interessenten deutlicher eingeordnet werden: Hier stehen weniger Bands wie Frontline Assembly oder Die Krupps Pate, das Ganze geht eher in die Richtung frühe Fear Factory oder auch Crown zu „Natron“-Zeiten. In Sachen Atmosphäre und Sounddesign fühlt man sich somit eher an Godflesh oder Absent In Body erinnert. Klassische Industrial-Freund*innen, die gerne zu melancholisch-unterkühlten, aber tanzbaren Four-To-The-Floor-Grooves über die Tanzfläche schwofen, könnten mit FANGE fremdeln – zumal die Metal-Bestandteile wirklich bretthart sind.
Die Spielzeit ist mit rund 30 Minuten leider etwas knapp geraten, trotzdem befinden sich unter den sieben Songs auf „Perdition“ einige richtige Highlights wie der Opener „Césarienne Au Noir“ oder auch das phasenweise fast schon bombastische „La Haine (Bernard Lavilliers)“, welches mit dem groovigen Bass-Drums-Mittelpart direkt Godflesh Tribut zollt. Außerdem gibt es diverse Gastsänger*innen auf die Ohren: Olivier Guinot (Lodges) und Diane Pellotieri (Pencey Sloe) sorgen in den Songs „Tourte Honte Bue“ sowie dem Albumloser „Désunion Sacrée“ spürbar für Abwechslung zu den gekeiften Vocals von Frontmann Matthias Jungbluth.
Die fette Produktion und das gelungene Mastering von Alan Douches (u. a. Converge) sorgen für den Feinschliff und machen FANGEs „Perdition“-Album zu einem gelungenen Potpourri aus den genannten Stilistiken und einem must-hear für jede*n Freund harter und negativer Musik, ein stilistisch offenes Ohr vorausgesetzt. Eine Band, die man im Auge behalten sollte.
Wertung: 8.5 / 10