Review Amenra – De Toorn (EP)

Vier Jahre hat das bislang aktuelle Album „De Doorn“ von AMENRA nun auf dem Buckel. Das macht zwar nichts, da die Band damit ein wahrlich zeitloses Werk erschaffen hat (wennschon die Band das offensichtlich anders sieht, und mit „De Doorn (Version 2)“ nur ein Jahr später eine überarbeitete Fassung veröffentlicht hat). Trotzdem freut man sich als Fan natürlich auf und über neue Musik. Dass AMENRA nun an einem Tag gleich zwei EPs herausbringen, mutet zunächst etwas sonderbar an, erklärt sich dann aber recht schnell musikalisch.

Mit „De Toorn“ knüpfen AMENRA nicht nur den Titel und das Layout betreffend an ihr letztes Album an: In zwei Songs, die sich die Gesamtspielzeit von 25:42 Minuten zu ziemlich gleichen Teilen füllen, zelebrieren AMENRA ebenjene bittersüße Melancholie in Reinform: Neun Minuten nimmt sich die Band in „Heden“ Zeit, ehe aus sanften Cleangitarren mit trübsinniger Erzählerstimme die für Amenra ebenso typischen wuchtigen Zerrgitarrenriffs und das schon beim Zuhören schmerzhafte Geschrei von Colin H. Van Eeckhout hervorbrechen. In beiden Parts ergänzt um melancholischen Klargesang, hat dieses eine Stück schon so viel zu bieten, dass einem als Fan das Herz aufgeht.

„De Toorn (Talisman)“ ist minimal kürzer, leider auch geringfügig weniger spektakulär ausgefallen – nicht zuletzt, weil AMENRA hier das quasi identische Songkonstrukt mit etwas weniger dramatischen Stilmitteln ausstaffieren: Abermals dauert es rund neun Minuten bis zum Kipppunkt, abermals lassen sich im ersten Teil tragische Schönheit und im zweiten schöne Tragik durchleben.

Hier zeigt sich allerdings der Nachteil des EP-Formats: Im Kontext eines Albums, mit ein paar Songs dazwischen, hätten beide Stücke „Hitpotenzial“ – direkt hintereinandergestellt, auf einem auf ebendiese zwei Stücke limitierten Release, fällt der Quasi-Titeltrack nach dem herausragenden „Heden“ leider deutlich ab. Vielleicht ist dies einer der seltenen Momente, in denen sich ein Vorteil von Vinyl offenbart: Zwischen beiden Seiten ist eine natürliche, beliebig ausdehnbare Pause – und es ist nicht ganz so unintuitiv wie bei einer CD, zur Abwechslung auch mal mit dem zweiten Song anzufangen.

„De Toorn“ ist nicht nur das lange erwartete Lebenszeichen, sondern zugleich ein exquisiter Release geworden – der nur ein wenig darunter leidet, dass AMENRA hier mit unterschiedlichen Harmonien zweimal den „gleichen“ Song geschrieben haben. Wer „De Doorn“ zu schätzen wusste, sollte sich diese EP jedenfalls nicht entgehen lassen. Spannend bleibt, wie AMENRA weitermachen – ob also stilistisch eher „De Toorn“ oder „With Fang And Claw“ als Vorbote für das nächste Album zu verstehen ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Keine Wertung

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert