Konzertbericht: Bohren & Der Club Of Gore

31.03.2025 München, Muffathalle

BOHREN & DER CLUB OF GORE: ein Name, der Seinesgleichen sucht, einer Band, die ihresgleichen sucht: Als Metalband gegründet, orientierten sich BOHREN rasch um – statt Double-Bass also Dark-Jazz, und das seit nun gut 30 Jahren. Mit Metal hat aus der umfangreichen Diskografie der Band lediglich das (durchaus interessante) Demo-Tape „Langspielkassette“ von 1992 zu tun. Und doch haben BOHREN & DER CLUB OF GORE eine gewisse Anziehungskraft auf Fans härterer Klänge – heute vielleicht mehr denn je.

BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in MünchenZwischen Fans des vorherrschenden Typus „Deutschlehrer mit Kurzhaarschnitt, Brille und Jazz-Faible“ sitzen – neben den obligatorischen Alt-Hippies sehr verlässlich auch junge Menschen mit (mehr oder weniger ironisch kuratierten) Kutten. Ein Publikumsmix, den man sonst höchstens noch von Helge Schneider kennt. Zufall ist das wohl keiner, denn neben der Liebe zum Jazz lassen sich durchaus noch weitere Parallelen erkennen. Dazu gehört, dass bei BOHREN – wie als Kontrast zur getragenen Atmosphäre der Songs – ein gewisses Chaos herrscht: Die akademische Viertelstunde Verspätung überschreiten BOHREN wie aus Trotz noch um ein paar Extra-Minuten, zwischendrin geht der Bassist verlustig (beziehungsweise aufs Klo) und auf die meisten der oft grotesk ins Nichts führenden Ansagen wäre „Käsebrot“ die einzig passende Antwort.

BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in MünchenSchon den Einstieg in den heutigen Abend hätte man sich schöner kaum ausdenken können: Minutenlang lassen BOHREN das Publikum im Dunklen sitzen. Gerade, als man sich zu fragen beginnt, ob das Trio in Spinal-Tap-Manier im Gewirr der Gänge zwischen Backstage-Bereich und Bühne verschollen gegangen ist, und eine gewisse Ungeduld im Publikum spürbar wird, kommen BOHREN & DER CLUB OF GORE im Gänsemarsch auf die Bühne – nur um ihre Show mit einem beherzten, aber wohl nicht unbedingt fürs Publikum bestimmten „Scheiße!“ einzuleiten.

BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in MünchenDas sorgt zwar für Gelächter, lässt aber natürlich nichts Gutes erahnen. Der direkte Zusammenhang mag konstruiert sein, doch tatsächlich steht die Show technisch unter keinem guten Stern: Keine halbe Stunde ist gespielt, und BOHREN & DER CLUB OF GORE haben sich gerade erst mit ebenfalls an Helge Schneider erinnerndem Boomer-Humor-Einschlag als „drei Penismenschen aus Westdeutschland“ vorgestellt, da holt das Trio ihr Hang zum Nachhang ein: In „Patchouli Blue“ habe sich ein Alien eingenistet, vermutet Christoph Clöser – tatsächlich hängt eine nicht enden wollende Hallfahne in der Luft und schaukelt sich zu unangenehmem Dröhnen auf. Gute 20 Minuten braucht es, bis der Mann von der Technik den akustischen Störenfried erledigt hat – Zeit, die Clöser, zusehends ratlos, mit immer groteskeren Ansagen zu überbrücken versucht. Zwischenfazit: „Wir haben Trostlosigkeit als Voraussetzung für ein erfülltes Leben akzeptiert. Ihr offensichtlich auch, sonst wärt ihr nicht hier. Aber das ist traurig.“

BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in MünchenTrostlos und traurig – beides im besten Sinne – bleibt es auch, als die Band endlich wieder tun kann, wofür sie gekommen ist. Nicht zuletzt, weil BOHREN & DER CLUB OF GORE massenweise Material aus ihrer düstersten Phase im Programm haben: „Maximum Black“ und „Midnight Black Earth“ von „Black Earth“ (2002) beispielsweise, oder auch „Karin“ und „Still am Tresen“ von „Dolores“ (2008). Dass BOHREN & DER CLUB OF GORE gegen Ende auch das Konzept der Zugabe ad Absurdum führen, indem sie diese schon vor dem letzten regulären Song ankündigen, überrascht im Kontext dieser Show ebenso wenig wie die als spontan zelebrierte, im Grunde aber natürlich völlig nebulöse Entscheidung, für das Münchner Publikum statt des eigentlich geplanten, aber letztlich nicht genannten letzten Songs doch lieber „Ganz leise kommt die Nacht“ zu spielen. Freilich nicht, ohne davor klarzustellen: „Es bleibt trotzdem bei drei Zugaben!“

BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in MünchenDen kauzigen bis angestaubten Humor von BOHREN & DER CLUB OF GORE muss man (nicht) mögen – die Musik hingegen ist über jeden Zweifel erhaben: Kaum eine Band vertont Tristesse und Einsamkeit so anrührend und einfühlsam wie das Trio aus Mülheim an der Ruhr.BOHREN & DER CLUB OF GORE im März 2025 in München

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert